Eine weitere Solaranlage?

Gießener Anzeiger, 14. März 2025

Dritte große Solaranlage in Linden geplant
Für privates Vorhaben auf 2,5 Hektar im FFH-Gebiet allerdings noch viel Vorarbeit notwendig

Linden (twi). Auf einer im Volksmund »XXXL-Hundeklo« genannten 2,5 Hektar Fläche soll in der Gemarkung »Am Bergwerkswald« in Großen-
Linden eine Photovoltaikfreiflächenanlage errichtet werden. Planer Holger Fischer vom Planungsbüro Fischer stellte das Vorhaben im Bauausschuss vor.

In seiner Einführung hatte Bürgermeister Fabian Wedemann (CDU)Bergwerk Solar darauf verwiesen, dass das Vorhaben nicht die gleichnamige Siedlung »Am Bergwerkswald« betreffe und es sich auch nicht um das gleichnamige Naturschutzgebiet handele, sondern um eine Freifläche. Und eben jenes Areal hat einen historischen Hintergrund, den auch Fischer bei seiner Vorstellung erwähnte. Bereits schon 2008 hatte es einen Vorentwurf gegeben, der jedoch laut Fischer »wohl im Verfahren stecken geblieben ist«. Auf der Fläche war ehemals der »Betrieb 8« der Gießener Braunsteinbergwerke zu finden. Hier wurde von 1843 bis Ende der 1930er Jahre Eisenmanganerz unter Tage und im Tagebau gewonnen. Das Gelände wurde bis 1970 gewerblich und für Wohnzwecke genutzt. Nach der Nutzungsaufgabe wurden die Gebäude niedergelegt. Die Gewerbebrache wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Gießener Rings durch das damalige Straßenneubauamt Hessen-Mitte verfüllt. Dabei wurde auch Hausmüll verwendet, dieser wurde mit Mutterboden nach oben aufgefüllt und dies sei dicht, hob Fischer mit Verweis auf Untersuchungen hervor.

Heute ist das Areal Punkt 6 der Radwanderung »Bergwerk «, und eine Infotafel des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden weist auf die einstige Nutzung hin. In der Vergangenheit weideten hier regelmäßig Schafe. Der Planstandort liegt nicht im Naturschutzgebiet »Gießener Bergwerkswald «, aber er liegt im FFH-Gebiet »Gießener Bergwerkswald «, so Fischer bei der Vorstellung der PV-Freiflächenanlage, welche naturverträglich errichtet werden und die Biodiversität fördern solle. Die Module werden so auf Ständer gesetzt, dass eine Beweidung auch der Flächen unter den Modulreihen mit Schafen weiter möglich ist. »Der Wald, der auf dem Grundstück steht, bleibt stehen«, machte Fischer deutlich. Erforderlich ist nicht nur eine Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes, sondern auch ein Zielabweichungsverfahren. Die Stadtwerke Gießen haben ihr Interesse an der Abnahme des erzeugten Stromes bekundet. Die aus dem Aufstellungsbeschluss resultierenden Kosten für die Bauleitplanung und die zugehörigen Gutachten übernimmt die Eigentümerfamilie, sodass der Stadt keine Kosten entstehen. Hierzu soll dann ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden. Die Aufstellung des Bebauungsplanes werde im zweistufigen Regelverfahren mit Umweltprüfung erfolgen. Doch zunächst soll bei der Oberen Landesplanungsbehörde das Verfahren auf den Weg und eine FFH-Verträglichkeits- und Artenschutzprüfung mit einem Antrag auf Zulassung einer Abweichung vom Regionalplan Mittelhessen 2010 eingeleitet werden. Danach folgt ein Beteiligungsverfahren. »Es geht um einen Aufstellungsbeschluss und so wird das Thema sicherlich nicht zum letzten Mal auf der Tagesordnung stehen«, meinte Fischer. Sollte die Solaranlage gebaut werden, wäre sie die dritte in Linden, allerdings die erste privat errichtete.

Weil in der Stadt nach den Berichten zum Kahlschlag auf dem Areal der einstigen Rindsmühle in der Stadt die Gerüchteküche hinsichtlich einer künftigen Nutzung des Geländes brodelt, stellte Wedemann klar, dass »Stand heute kein Bauantrag oder ähnliches vorliegt «. Weiterhin ging das Stadtoberhaupt auf den beschlossenen Abriss der Stadthalle und den geplanten Neubau ein, wozu aktuell alle Hallennutzer in Absprache mit einer Fachfirma angeschrieben und um die Beantwortung von drei Fragen gebeten werden, die dann in das weitere Verfahren einfließen.

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