"Rindsmühle" Leihgestern

Gießener Anzeiger, 07. März 2025

Spekulationen um Grundstücke
Rindsmühle sorgt für Gesprächsstoff – »Villa zum Fuchsbau« abgerissen

Rindsmühle

Linden (twi). Zwei Grundstückeim Stadtteil Leihgestern sindes, die aktuell für allerlei Gesprächsstoff und Spekulationenin der Stadt sorgen. Eines davon hat es sogar ins Guiness Buch der Rekorde geschafft und dem Lindener Stadtteil weltweite Aufmerksamkeit beschert.

Nun wurde die »Villa zumFuchsbau« in der Dresdener Straße, wo sich bis 2019 das Reinecke-Fuchs-Museum befand, abgerissen. Einen Baumkahlschlag hat es im Mühlberg auf dem Areal der Rindsmühle gegeben. Hier ist nun nach acht Jahrezehnten ein Blick auf das baufällige Gebäude möglich.

Allen Unkenrufen zum Trotz wird dort kein SPD-Kindergarten »Olaf Scholz« errichtet, wie böse Zungen bereits behaupten. Allerdings fällt der Partei eine bedeutende Rolle in der jüngsten Geschichte des Areals zu.

Baumkahlschlag

Als »Mühlengehöft nördlich Leigestern rechts des Lückenbach « auf einer Höhe von 168 Metern gelegen, wird das Areal in öffentlichen Katastern beschrieben und mit dem Hinweis versehen, dass sich 1869 hier ein Haus und sechs Einwohner befanden. Heute wohnt dort keiner mehr und zuletzt sorgte die Rindsmühle am Neujahrstag 2018 für Schlagzeilen, als der Dachstuhl in der ersten Stunde des neuen Jahres in Flammen stand. Die Brandschäden sind auch heute noch zu sehen und wurden nie behoben. Durch den Baumkahlschlag ist dies nun noch besser zu erkennen. Doch was nun genau mit jenem Gebäude passiert, welches bis zur Insolvenz des Betreibers 2003 als Seniorenheim genutzt wurde und seitdem leer stand, bleibt offen. Bereits am 15. April 1967 war jene Gaststätte geschlossen worden, die zunächst sogar dem gesamten Gebiet ihren Namen gab. Bis August 1977 führten insgesamt sechs Pächter die Gaststätte mehr oder weniger erfolgreich weiter. Von 1977 bis 1998 wurde das Gebäude als »Übergangsheim Rindsmühle«, eine Einrichtung für Personen mit notwendiger psychischer Betreuung, genutzt. Bereits damals scheiterten Versuche einer weiteren Bebauung, wie zuletzt zu Beginn des Jahrzehnts, als ein Wiesbadener Immobilienunternehmen versuchte, hier Wohnblocks zu errichten.

Abstimmung nötig

Diesem Unternehmen hatte der Alt-Eigentümer seinerzeit für Entwicklung samt Kaufoption große Freiheiten eingeräumt, nachdem ihn die Lindener SPD mit den Plänen, hier einen Kindergarten zu errichten, im Oktober 2016 vor den Kopf gestoßen und erst gar nicht vor Bekanntwerden der Wunschträume darüber informiert hatte.

Erst durch einen Bericht im Gießener Anzeiger hatte dieser von den Plänen erfahren und diesen auch umgehend einen Riegel vorgeschoben. Mittlerweile haben sich die Besitzverhältnisse geändert, hat ein Lindener das 3700 Quadratmeter große Rindsmühle-Areal erworben, dessen Geschichte nachweislich bis ins Jahr 1336 zurückreicht, wo sich in einem Einkünfteverzeichnis des Nonnen-Klosters Zelle auf dem Schiffenberg gleich drei Mal eine »ritmule« findet.

1907 war auf dem Hof des Anwesens gegenüber der Mühle eine Gastwirtschaft unter dem Namen »Zur Rindsmühle« mit einem großen Biergarten eröffnet worden. Es war dies jener Ort, wo sich die Leihgesterner Dorfjugend zusammenfand, denn »das Mühlchen« war das einzige Lokal, wo Mädchen »Zutritt« hatten, da der Wirtshausbesuch vor dem Krieg Männer- und Burschensache war. Die Bebauung des Mühlbergs und damit dann auch die neue Bezeichnung des Ortsteils setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Der nun erfolgte Kahlschlag des in den vergangenen Jahren fleißig vor sich herwuchernden Baumbestandes ist auch dem Umstand geschuldet, dass seit 1. März die Vogelschutzzeit keinen radikalen Baumschnitt mehr zulässt.

Auch wenn über dem Gebäude wohl schon die Abrissbirne schwebt, so ist alles nicht so einfach, wie Bürgermeister Fabian Wedemann (CDU) auf Anfrage erläutert. Der neue Eigentümer wolle im Gegensatz zur Wiesbadener Immobiliengesellschaft nicht maximal viele Häuser errichten, sondern erst einmal alles mit den zuständigen Stellen abstimmen. »Und da ist die Stadt Linden zunächst einmal außen vor, denn hier handelt es sich bei 80 Prozent der Fläche auf Grundlage des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) um ein Überschwemmungsgebiet (HQ100)«, verweist das Stadtoberhaupt auf Regierungspräsidium Gießen wie auch Untere Naturschutzbehörde und Bauaufsicht des Landkreises Gießen, mit denen zunächst erörtert werden muss, was hier überhaupt gemacht werden kann.

Während das Rindsmühle-Gebäude noch steht, wurde in den vergangenenVilla Fuchs Wochen die »Villa zum Fuchsbau« abgerissen. Auch hier gibt es nach dem Tod des im vergangenen Jahr im 92. Lebensjahr verstorbenen Alt-Eigentümers Friedrich von Fuchs mittlerweile einen neuen Eigentümer.

Buch der Rekorde

Über 2000 Objekte umfasste einst die im Erdgeschoss ausgestellte Sammlung: 1967 hatte von Fuchs mit dem Zusammentragen rund um sein Wappentier begonnen und in seinem Privathaus ein Museum über die »Darstellung des Fuchses in der Kunst und in der Literatur« eingerichtet. Nicht nur in Museumsführern, sondern 1996 gar ins »Guiness Buch der Rekorde« fand das Fuchs-Museum Einzug. Nachdem 2018 die Hessische Kulturstiftung zusammen mit dem Hessischen Museumsverband und der Stadt Arolsen den Ankauf von 400 Objekten zum Motiv des Reinecke Fuchs aus der Sammlung in Leihgestern fur das Museum Bad Arolsen erworben hatte, folgte im darauffolgenden Jahr die Schließung des Museums, dessen Sammlung im Kaulbach-Museum in Bad Arolsen eine neue Heimat gefunden hatte.

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