Gießener Anzeiger, 06. Februar 2025
Zweimal Murks in Linden
Fehlplanung und Bläuling verzögern Projekte – Dachrückbau ab Ende Februar
Linden (twi). »Pleiten, Pech und Pannen«, der Fernsehklassiker, stand wohl Pate in Linden. Bürgermeister Fabian Wedemann (CDU) musste in der Stadtverordnetensitzung Verzögerungen bei der Volkshallen-Dachsanierung und dem geplanten Spielplatz »Nördlich Breiter Weg« verkünden. Einmal hatten Planungsbüros versagt, das andere Mal wurde einfach vergessen, eine Behörde zu berücksichtigen.
Bereits seit drei Jahren befassen sich Lindens Parlamentarier mit der Volkshalle Leihgestern und fünf Jahre mit einem bei der Planung versäumten Spielplatz für das Neubaugebiet.
Bei der Dachsanierung der Volkshalle stellte sich heraus, dass die Ausführungsplanung fehlerhaft war und korrigiert werden musste. Deshalb soll es erst am 24. Februar mit dem Dach-Rückbau losgehen. »Einen Endtermin kann und werde ich nicht sagen, spielt auch die entsprechende Witterung hierbei eine Rolle. Es wird Richtung März gehen, vielleicht April oder auch Mai – aber dies ist alles vage«, ließ sich das Stadtoberhaupt dann doch zu einer Monatsnennung verleiten. »Trotz Experten sind Fehler drin, das ist mehr als ärgerlich.«
Naturschutzbehörde nicht einbezogen
Der Spielplatz sollte nach Grundstücksfindung, Planung und langen Verhandlungen mit den Eigentümern samt Grundstückserwerb nun eigentlich angegangen werden, doch die Stadt hatte vergessen, die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Gießen einzuschalten. Im Rahmen der Eingaben fordert nun die UNB von der Stadt einen artenschutzrechtlichen Fachbeitrag. Und dieser führt nun zu einer Verzögerung von bis zu einem Jahr.
Ausgleich für Schmetterling
Durch einen solchen Fachbeitrag erläuterte Wedemann werde bekannt, welche Tiere und Arten dort leben und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Der seltene Ameisenbläuling schwebt als Damoklesschwert über dem designierten Spielplatz-Areal, dessen bevorzugte Nahrung gefunden, das Insekt allerdings noch nicht. Sollte der europaweit gefährdet und geschützt eingestufte Schmetterling nachgewiesen werden, hat die Stadt Ausgleichsmaßmahmen zu leisten, hob Wedemann hervor. »Das Naturschutzgesetz ist wichtig und richtig, ob man jedoch für einen Kinderspielplatz einen solchen Umfang benötigt, dazu kann sich jeder seine eigene Meinung bilden«, erklärte Wedeman: »Wenn die Kinder volljährig sind, dann können sie endlich ihren 18. Geburtstag auf einem fertigen Spielplatz feiern.«
Wesentlich schneller als beim Spielplatzgelände konnte eine Einigung mit Grundstückseigentümern für den Radweg zwischen Großen-Linden und Hörnsheim erzielt werden. »Die Planung von Hessen Mobil kann fortgesetzt werden.« Hessen Mobil erwartet darüber hinaus von der Stadt für die 2028/2029 vorgesehene Sanierung der »Europabrücke« über die Main-Weser-Bahn (der Anzeiger berichtete) ein städtisches »Mobilitätskonzept« bis Mitte 2026.
Brückensanierung bedarf Umleitung
Geregelt werden soll damit die Umleitung, weil nach wie vor von einer Komplettsperrung ausgegangen wird, wobei die letzte Sanierung vor 30 Jahren noch mit einer Ampelschaltung erfolgen konnte. Dass bis 2028/29 eine Umgehungsstraße über die zukünftigen weiteren Abschnitte im Baugebiet »Nördlich Breiter Weg« möglich ist, schließt Wedemann aufgrund des zeitaufwendigen Flächenankaufs und erforderlicher Gutachten aus. »Die werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen, sodass wir bis dahin keine Entlastungsstraße gebaut haben werden.« Eine Umleitung auch über den Betonweg vom Bahnviadukt zur Gießener Straße entlang des Renaturierungsgebiets Rohrwiesen werde geprüft, weil zu vermuten ist, dass sich der Hauptverkehr seinen Weg durch den Forst sucht und Lastwagen über Lang-Göns umgeleitet werden müssen.
Einhergehend mit dem Betonweg als Einbahnstraßenregelung brachte Wedemann eine Feldweg-Einbahnstraße am Ortsausgang von Leihgestern in Richtung Großen-Linden ins Gespräch, auch dies werde geprüft und mit den Behörden abgestimmt, um so zusätzliche Belastungen für den Forst zu vermeiden.
Erst im Oktober wird es mit dem Ludwigsplatz in Großen-Linden losgehen, da eine Förderungsmöglichkeit bestehe und die erforderlichen Rodungsarbeiten bis zum 28. Februar so nicht erfolgen müssen. »Heute sind die Wahlzettel eingetroffen, der Bundestagswahl in Linden steht also nichts mehr im Wege«, dankte Wedemann am Dienstag ganz besonders Bürgern und Verwaltung. 120 Personen hatten sich als Wahlhelfer für die acht Wahlbezirke beworben. 72 werden benötigt. »Das ist eine erfreulich hohe Resonanz. Dafür möchte ich mich auch im Namen des Wahlamtes herzlich bedanken.« Von den insgesamt 9400 Wahlberechtigten haben bisher 2600 Briefwahl beantragt.